Teil­nah­me am kul­tu­rel­len Leben

Comic History of Rome Table 10 Cicero denouncing Cataline - Teilnahme am kulturellen Leben

Arti­kel 30 Absatz 1 der UN-Be­­hin­­­der­­­ten­­­rechts­­­kon­­­ven­­­ti­on aner­ken­nen die Ver­trags­staa­ten das Recht von Men­schen mit Behin­de­run­gen, gleich­be­rech­tigt mit ande­ren am kul­tu­rel­len Leben teil­zu­ha­ben. Die­se Rege­lung wie­der­holt und bekräf­tigt die Rege­lun­gen aus Arti­kel 15 des UN-Sozi­al­pakts und Arti­kel 27 der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te.

Zur Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts sind die Ver­trags­staa­ten zu geeig­ne­ten Maß­nah­men ver­pflich­tet, die den Zugang zu kul­tu­rel­len Mate­ria­li­en in zugäng­li­chen For­ma­ten, den Zugang zu Fern­seh­pro­gram­men, Fil­men, Thea­ter­vor­stel­lun­gen und ande­ren kul­tu­rel­len Akti­vi­tä­ten in zugäng­li­chen For­ma­ten sowie den Zugang zu Orten kul­tu­rel­ler Dar­bie­tung oder Dienst­leis­tun­gen sicher­stel­len sol­len.

Gleich­zei­tig beschreibt Arti­kel 30 Absatz 2 der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on die staat­li­che Pflicht, geeig­ne­te Maß­nah­men zu treffen,um

  • es Men­schen mit Behin­de­run­gen zu ermög­li­chen, ihr krea­ti­ves, künst­le­ri­sches und intel­lek­tu­el­les Poten­zi­al zu ent­fal­ten und zu nut­zen (Arti­kel 30 Abs. 2 der Kon­ven­ti­on);
  • sicher­zu­stel­len, dass Geset­ze zum Schutz von Rech­ten des geis­ti­gen Eigen­tums kei­ne unge­recht­fer­tig­te oder dis­kri­mi­nie­ren­de Bar­rie­re für den Zugang von Men­schen mit Behin­de­run­gen zu kul­tu­rel­len Mate­ria­li­en dar­stel­len (Art. 30 Abs. 3 der Kon­ven­ti­on) und
  • die Teil­nah­me behin­der­ter Men­schen an Erholungs‑, Frei­zeit- und Sport­ak­ti­vi­tä­ten gleich­be­rech­tigt mit ande­ren zu ermög­li­chen (Art. 30 Abs. 5 der Kon­ven­ti­on).

Die­se geeig­ne­ten Maß­nah­men zie­len auf die För­de­rung in ver­schie­de­nen Berei­chen. Zu die­sen Berei­chen zäh­len die Teil­nah­me am Brei­ten­sport, die Mög­lich­keit von Men­schen mit Behin­de­run­gen, behin­de­rungs­spe­zi­fi­sche Sport- und Erho­lungs­ak­ti­vi­tä­ten auf der Grund­la­ge der Gleich­be­rech­ti­gung mit ande­ren zu orga­ni­sie­ren, die Sicher­stel­lung des Zugangs zu Sport‑, Erho­lungs- und Tou­ris­mus­stät­ten sowie des Zugangs zu Dienst­leis­tun­gen der Orga­ni­sa­to­ren von Erholungs‑, Tourismus‑, Frei­zeit- und Sport­ak­ti­vi­tä­ten sowie die Sicher­stel­lung, dass Kin­der gleich­be­rech­tigt mit ande­ren Kin­dern an Spiel‑, Erholungs‑, Frei­zeit- und Sport­ak­ti­vi­tä­ten teil­neh­men.

Behin­der­te Men­schen haben nach Arti­kel 30 Absatz 4 der Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on gleich­be­rech­tigt mit ande­ren Anspruch auf Aner­ken­nung und Unter­stüt­zung ihrer spe­zi­fi­schen kul­tu­rel­len und sprach­li­chen Ein­heit, ein­schließ­lich der Gebär­den­spra­che und der Gehör­lo­sen­kul­tur.

Damit ergänzt Arti­kel 30 die Rege­lung des Arti­kels 21 der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on zum Infor­ma­ti­ons­zu­gang.

Arti­kel 30 – Teil­ha­be am kul­tu­rel­len Leben sowie an Erho­lung, Frei­zeit und Sport
(1) Die Ver­trags­staa­ten aner­ken­nen das Recht von Men­schen mit Behin­de­run­gen, gleich­be­rech­tigt mit ande­ren am kul­tu­rel­len Leben teil­zu­neh­men, und tref­fen alle geeig­ne­ten Maß­nah­men, um sicher­zu­stel­len, dass Men­schen mit Behin­de­run­gen

  1. Zugang zu kul­tu­rel­lem Mate­ri­al in zugäng­li­chen For­ma­ten haben;
  2. Zugang zu Fern­seh­pro­gram­men, Fil­men, Thea­ter­vor­stel­lun­gen und ande­ren kul­tu­rel­len Akti­vi­tä­ten in zugäng­li­chen For­ma­ten haben;
  3. Zugang zu Orten kul­tu­rel­ler Dar­bie­tun­gen oder Dienst­leis­tun­gen, wie Thea­tern, Muse­en, Kinos, Biblio­the­ken und Tou­ris­mus­diens­ten, sowie, so weit wie mög­lich, zu Denk­mä­lern und Stät­ten von natio­na­ler kul­tu­rel­ler Bedeu­tung haben.

(2) Die Ver­trags­staa­ten tref­fen geeig­ne­te Maß­nah­men, um Men­schen mit Behin­de­run­gen die Mög­lich­keit zu geben, ihr krea­ti­ves, künst­le­ri­sches und intel­lek­tu­el­les Poten­zi­al zu ent­fal­ten und zu nut­zen, nicht nur für sich selbst, son­dern auch zur Berei­che­rung der Gesell­schaft.

(3) Die Ver­trags­staa­ten unter­neh­men alle geeig­ne­ten Schrit­te im Ein­klang mit dem Völ­ker­recht, um sicher­zu­stel­len, dass Geset­ze zum Schutz von Rech­ten des geis­ti­gen Eigen­tums kei­ne unge­recht­fer­tig­te oder dis­kri­mi­nie­ren­de Bar­rie­re für den Zugang von Men­schen mit Behin­de­run­gen zu kul­tu­rel­lem Mate­ri­al dar­stel­len.

(4) Men­schen mit Behin­de­run­gen haben gleich­be­rech­tigt mit ande­ren Anspruch auf Aner­ken­nung und Unter­stüt­zung ihrer spe­zi­fi­schen kul­tu­rel­len und sprach­li­chen Iden­ti­tät, ein­schließ­lich der Gebär­den­spra­chen und der Gehör­lo­sen­kul­tur.

(5) Mit dem Ziel, Men­schen mit Behin­de­run­gen die gleich­be­rech­tig­te Teil­nah­me an Erholungs‑, Frei­zeit- und Sport­ak­ti­vi­tä­ten zu ermög­li­chen, tref­fen die Ver­trags­staa­ten geeig­ne­te Maß­nah­men,

  1. um Men­schen mit Behin­de­run­gen zu ermu­ti­gen, so umfas­send wie mög­lich an brei­ten­sport­li­chen Akti­vi­tä­ten auf allen Ebe­nen teil­zu­neh­men, und ihre Teil­nah­me zu för­dern;
  2. um sicher­zu­stel­len, dass Men­schen mit Behin­de­run­gen die Mög­lich­keit haben, behin­de­rungs­spe­zi­fi­sche Sport- und Erho­lungs­ak­ti­vi­tä­ten zu orga­ni­sie­ren, zu ent­wi­ckeln und an sol­chen teil­zu­neh­men, und zu die­sem Zweck die Bereit­stel­lung eines geeig­ne­ten Ange­bots an Anlei­tung, Trai­ning und Res­sour­cen auf der Grund­la­ge der Gleich­be­rech­ti­gung mit ande­ren zu för­dern;
  3. um sicher­zu­stel­len, dass Men­schen mit Behin­de­run­gen Zugang zu Sport‑, Erho­lungs- und Tou­ris­mus­stät­ten haben;
  4. um sicher­zu­stel­len, dass Kin­der mit Behin­de­run­gen gleich­be­rech­tigt mit ande­ren Kin­dern an Spiel‑, Erholungs‑, Frei­zeit- und Sport­ak­ti­vi­tä­ten teil­neh­men kön­nen, ein­schließ­lich im schu­li­schen Bereich;
  5. um sicher­zu­stel­len, dass Men­schen mit Behin­de­run­gen Zugang zu Dienst­leis­tun­gen der Orga­ni­sa­to­ren von Erholungs‑, Tourismus‑, Frei­zeit- und Sport­ak­ti­vi­tä­ten haben.

Zum Recht eines jeden Men­schen, am kul­tu­rel­len Leben teil­zu­neh­men hat sich die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land im Rah­men der Völ­ker­ge­mein­schaft ver­pflich­tet. Die fort­schrei­ten­de Digi­ta­li­sie­rung von Kul­tur­gut schafft dabei für Men­schen mit Behin­de­run­gen eine spe­zi­el­le Zugangs­mög­lich­keit zur Kul­tur, die als Mei­len­stein gewer­tet wer­den kann. Die Gewähr­leis­tung eines gleich­be­rech­tig­ten Zugangs behin­der­ter Men­schen zu media­len Ange­bo­ten ist eine der Grund­vor­aus­set­zun­gen für die Teil­ha­be von Men­schen mit Behin­de­run­gen am kul­tu­rel­len Leben.

Für hör­be­hin­der­te Men­schen in Deutsch­land geht damit die Aner­ken­nung der Deut­schen Gebär­den­spra­che als eigen­stän­di­ge Spra­che ein­her.

Kunst und Kul­tur sol­len sich für Men­schen mit Behin­de­run­gen ohne Hin­der­nis­se erschlie­ßen las­sen. Ziel ist es, Ein­schrän­kun­gen zur kul­tu­rel­len und künst­le­ri­schen Ent­fal­tung, denen sich Men­schen mit Behin­de­run­gen gegen­über­se­hen, zu über­win­den, damit ein unge­hin­der­ter Zugang zum kul­tu­rel­len Erbe und zu Kunst­wer­ken mög­lich ist. Die deut­schen Bun­des­län­der haben hier­bei in eige­ner Zustän­dig­keit dar­auf zu ach­ten, dass die in kul­tu­rel­len Ein­rich­tun­gen vor­han­de­nen Beschrän­kun­gen für behin­der­te Besu­cher nach Mög­lich­keit besei­tigt wer­den.

Um den Zugang behin­der­ter Men­schen zu kul­tu­rel­len Dar­bie­tun­gen wie Thea­ter­vor­stel­lun­gen oder Muse­ums­be­su­che sicher­zu­stel­len, sind im Neun­ten Buch Sozi­al­ge­setz­buch Hil­fen zur Teil­ha­be am gemein­schaft­li­chen und kul­tu­rel­len Leben vor­ge­se­hen. Men­schen mit Behin­de­run­gen kön­nen u. a. Hil­fen zum Besuch von Ver­an­stal­tun­gen, die der Infor­ma­ti­on über das Zeit­ge­sche­hen oder über kul­tu­rel­le Ereig­nis­se die­nen, gewährt wer­den. Inso­weit kom­men bei Vor­lie­gen aller Vor­aus­set­zun­gen bei­spiels­wei­se die Über­nah­me der Kos­ten für die Ein­tritts­kar­ten oder auch für eine Begleit­per­son in Betracht.

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