Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen

Schattenübersetzung

BGBl-BehindertenrechtskonventionDie offizielle deutschsprachige Über­set­zung der Behin­derten­recht­skon­ven­tion ist ein gemein­sames Werk der Staat­en Schweiz, Öster­re­ich, Liecht­en­stein und Deutsch­land. An dieser verbindlichen Ver­sion haben einige Betrof­fe­nen und ihre Ver­bände etwas auszuset­zen. Bes­timmte Über­set­zun­gen geben ihrer Mei­n­ung nach nicht die englis­che Orig­i­nal­fas­sung der Kon­ven­tion wider. Darüber hin­aus haben sie sich bei der Abfas­sung der Über­set­zung nicht genü­gend berück­sichtigt gefühlt.

Ein gewichtiger Punkt, der — nach Mei­n­ung der Betrof­fe­nen und ihrer Ver­bände — bei der offiziellen Über­set­zung nicht hin­re­ichend bedacht wor­den ist, liegt in der Bewusst­seins­bil­dung durch die richtige Über­set­zung. Ger­ade da in der Kon­ven­tion sel­ber, in Artikel 8, die Gewichtigkeit der Bewusst­seins­bil­dung der gesamten Öffentlichkeit her­vorge­hoben wird, eracht­en sie die kor­rek­te Wort­wahl für unverzicht­bar. Unter anderem ist dabei die offizielle Über­set­zung des englis­chen Wortes “inclu­sion”, was mit “Inte­gra­tion” über­set­zt wurde in Artikel 24 der Kon­ven­tion, nicht im Sinne der Betrof­fe­nen.

Ergeb­nis dieser Unzufrieden­heit ist eine inof­fizielle Über­set­zung der Behin­derten­recht­skon­ven­tion unter Beteili­gung der Betrof­fe­nen, der aber jeglich­er Rechtscharak­ter fehlt. Diese Über­set­zung ist in Anlehnung an die Schat­ten­berichte von Nicht-Regierung­sor­gan­i­sa­tio­nen an die Vere­in­ten Natio­nen als “Schat­tenüber­set­zung” beze­ich­net wor­den.

Eine Gegenüber­stel­lung der offiziellen Über­set­zung, der Schat­tenüber­set­zung und der englis­chen Orig­i­nalver­sion find­et man auf der Seite des Behin­derten­beauf­tragten der Bun­desregierung.

Sieht man sich die unverbindliche Schat­tenüber­set­zung ein­mal genauer an, stellt sich die Frage, ob dieses Ergeb­nis wirk­lich so gewollt war? — und ob es nicht eher eine “Ver­schlimmbesserung” darstellt?

Deutsche Über­set­zung heißt: von ein­er Fremd­sprache (hier englisch) in die deutsche Sprache zu über­set­zen — und nicht, die englis­chen Worte als “Fremd­worte” im deutschen zu belassen. So wird in einem deutsch-sprachi­gen Text mit Worten wie dis­abil­i­ty main­stream­ing, Empow­er­ments, peer sup­port, Capac­i­ty-build­ing oder Focal Points bes­timmt nicht das Bewusst­sein der Gesellschaft für die Belange von Men­schen mit Behin­derun­gen durch eine “kor­rek­te deutsche Über­set­zung” geschärft.