Bil­dung

Integration - Inklusion

Arti­kel 24 der UN-Behin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on erkennt das Recht behin­der­ter Men­schen auf Bil­dung an. Die­se Rege­lung wie­der­holt und bekräf­tigt die Rege­lun­gen des Arti­kels 13 des UN-Sozi­al­pakts, der Arti­kel 28 und 29 der UN-Kin­der­rechts­kon­ven­ti­on sowie des Arti­kels 26 der All­ge­mei­nen Erklä­rung der Men­schen­rech­te.

Aus­ge­hend vom Prin­zip der Gleich­be­rech­ti­gung gewähr­leis­tet die UN-Behin­der­ten­rechts­ko­ven­ti­on damit ein ein­be­zie­hen­des (inklu­si­ves) Bil­dungs­sys­tem auf allen Ebe­nen und lebens­lan­ges Ler­nen.

inklusion

Dabei ist sicher­zu­stel­len, dass behin­der­te Men­schen nicht auf­grund einer Behin­de­rung vom all­ge­mei­nen Bil­dungs­sys­tem aus­ge­schlos­sen wer­den. Behin­der­te Kin­der dür­fen also nicht auf­grund ihrer Behin­de­rung vom Besuch einer Grund­schu­le oder einer wei­ter­füh­ren­den Schu­le aus­ge­schlos­sen wer­den. Viel­mehr soll ihnen gleich­be­rech­tigt mit ande­ren – nicht­be­hin­der­ten – Kin­dern der Zugang zu einem ein­be­zie­hen­den (inklu­si­vem), hoch­wer­ti­gen und unent­gelt­li­chen Unter­richt ermög­licht wer­den.

Eben­so soll der Zugang zur all­ge­mei­nen Hoch­schul­bil­dung, Berufs­aus­bil­dung, Erwach­se­nen­bil­dung und zu lebens­lan­gem Ler­nen gleich­be­rech­tigt mit ande­ren gewähr­leis­tet wer­den.

Inner­halb des all­ge­mei­nen Bil­dungs­sys­tems sol­len ange­mes­se­ne Vor­keh­run­gen getrof­fen und die not­wen­di­ge Unter­stüt­zung geleis­tet wer­den, um eine erfolg­rei­che Bil­dung zu erleich­tern.

Wei­ter­hin muss behin­der­ten Men­schen durch geeig­ne­te Maß­nah­men den Erwerb lebens­prak­ti­scher Fer­tig­kei­ten und sozia­ler Kom­pe­ten­zen ermög­licht wer­den.

Dazu soll das Erler­nen ver­schie­de­ner For­men der Kom­mu­ni­ka­ti­on, wie Braille, der Erwerb von Ori­en­tie­rungs- und Mobi­li­täts­fer­tig­kei­ten und die Unter­stüt­zung durch ande­re Men­schen mit Behin­de­run­gen und das Men­to­ring erleich­tert wer­den.

Eben­so soll das Erler­nen der Gebär­den­spra­che und die För­de­rung der sprach­li­chen Iden­ti­tät von gehör­lo­sen Men­schen erleich­tert wer­den. Dafür sind auf allen Ebe­nen des Bil­dungs­we­sens geeig­ne­te Maß­nah­men zur Ein­stel­lung von Lehr­kräf­ten tref­fen, ein­schließ­lich sol­cher mit Behin­de­run­gen, die in Gebär­den­spra­che und Braille aus­ge­bil­det sind. Eben­so sol­len auf allen Ebe­nen des Bil­dungs­sys­tems die Fach­kräf­te und Mit­ar­bei­ter geschult wer­den.

Wei­ter­hin muss durch wirk­sa­me indi­vi­du­ell ange­pass­te Unter­stüt­zungs­maß­nah­men ein Umfeld geschaf­fen wer­den, das mit dem Ziel der voll­stän­di­gen Ein­be­zie­hung behin­der­ter Men­schen die best­mög­li­che schu­li­sche und sozia­le Ent­wick­lung gestat­tet.

Mit Blick auf den Erwerb von lebens­prak­ti­schen Fähig­kei­ten und sozia­len Kom­pe­ten­zen sicher zu stel­len, dass die Bil­dung von gehör­lo­sen oder taub­blin­den Men­schen, ins­be­son­de­re von Kin­dern, in den Spra­chen und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men und mit den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln, die für den Ein­zel­nen am bes­ten geeig­net sind, bereit­ge­stellt sowie in einem Umfeld ver­mit­telt wird, das die best­mög­li­che schu­li­sche und sozia­le Ent­wick­lung gestat­tet.

Arti­kel 24 – Bil­dung
(1) Die Ver­trags­staa­ten aner­ken­nen das Recht von Men­schen mit Behin­de­run­gen auf Bil­dung. Um die­ses Recht ohne Dis­kri­mi­nie­rung und auf der Grund­la­ge der Chan­cen­gleich­heit zu ver­wirk­li­chen, gewähr­leis­ten die Ver­trags­staa­ten ein inte­gra­ti­ves Bil­dungs­sys­tem auf allen Ebe­nen und lebens­lan­ges Ler­nen mit dem Ziel,

  1. die mensch­li­chen Mög­lich­kei­ten sowie das Bewusst­sein der Wür­de und das Selbst­wert­ge­fühl des Men­schen voll zur Ent­fal­tung zu brin­gen und die Ach­tung vor den Men­schen­rech­ten, den Grund­frei­hei­ten und der mensch­li­chen Viel­falt zu stär­ken;
  2. Men­schen mit Behin­de­run­gen ihre Per­sön­lich­keit, ihre Bega­bun­gen und ihre Krea­ti­vi­tät sowie ihre geis­ti­gen und kör­per­li­chen Fähig­kei­ten voll zur Ent­fal­tung brin­gen zu las­sen;
  3. Men­schen mit Behin­de­run­gen zur wirk­li­chen Teil­ha­be an einer frei­en Gesell­schaft zu befä­hi­gen.

(2) Bei der Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts stel­len die Ver­trags­staa­ten sicher, dass

  1. Men­schen mit Behin­de­run­gen nicht auf­grund von Behin­de­rung vom all­ge­mei­nen Bil­dungs­sys­tem aus­ge­schlos­sen wer­den und dass Kin­der mit Behin­de­run­gen nicht auf­grund von Behin­de­rung vom unent­gelt­li­chen und obli­ga­to­ri­schen Grund­schul­un­ter­richt oder vom Besuch wei­ter­füh­ren­der Schu­len aus­ge­schlos­sen wer­den;
  2. Men­schen mit Behin­de­run­gen gleich­be­rech­tigt mit ande­ren in der Gemein­schaft, in der sie leben, Zugang zu einem inte­gra­ti­ven, hoch­wer­ti­gen und unent­gelt­li­chen Unter­richt an Grund­schu­len und wei­ter­füh­ren­den Schu­len haben;
  3. ange­mes­se­ne Vor­keh­run­gen für die Bedürf­nis­se des Ein­zel­nen getrof­fen wer­den;
  4. Men­schen mit Behin­de­run­gen inner­halb des all­ge­mei­nen Bil­dungs­sys­tems die not­wen­di­ge Unter­stüt­zung geleis­tet wird, um ihre erfolg­rei­che Bil­dung zu erleich­tern;
  5. in Über­ein­stim­mung mit dem Ziel der voll­stän­di­gen Inte­gra­ti­on wirk­sa­me indi­vi­du­ell ange­pass­te Unter­stüt­zungs­maß­nah­men in einem Umfeld, das die best­mög­li­che schu­li­sche und sozia­le Ent­wick­lung gestat­tet, ange­bo­ten wer­den.

(3) Die Ver­trags­staa­ten ermög­li­chen Men­schen mit Behin­de­run­gen, lebens­prak­ti­sche Fer­tig­kei­ten und sozia­le Kom­pe­ten­zen zu erwer­ben, um ihre vol­le und gleich­be­rech­tig­te Teil­ha­be an der Bil­dung und als Mit­glie­der der Gemein­schaft zu erleich­tern. Zu die­sem Zweck ergrei­fen die Ver­trags­staa­ten geeig­ne­te Maß­nah­men; unter ande­rem

  1. erleich­tern sie das Erler­nen von Braille­schrift, alte rna­ti­ver Schrift, ergän­zen­den und alter­na­ti­ven For­men, Mit­teln und For­ma­ten der Kom­mu­ni­ka­ti­on, den Erwerb von Ori­en­tie­rungs- und Mobi­li­täts­fer­tig­kei­ten sowie die Unter­stüt­zung durch ande­re Men­schen mit Behin­de­run­gen und das Men­to­ring;
  2. erleich­tern sie das Erler­nen der Gebär­den­spra­che und die För­de­rung der sprach­li­chen Iden­ti­tät der Gehör­lo­sen;
  3. stel­len sie sicher, dass blin­den, gehör­lo­sen oder taub­blin­den Men­schen, ins­be­son­de­re Kin­dern, Bil­dung in den Spra­chen und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­for­men und mit den Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­teln, die für den Ein­zel­nen am bes­ten geeig­net sind, sowie in einem Umfeld ver­mit­telt wird, das die best­mög­li­che schu­li­sche und sozia­le Ent­wick­lung gestat­tet.

(4) Um zur Ver­wirk­li­chung die­ses Rechts bei­zu­tra­gen, tref­fen die Ver­trags­staa­ten geeig­ne­te Maß­nah­men zur Ein­stel­lung von Lehr­kräf­ten, ein­schließ­lich sol­cher mit Behin­de­run­gen, die in Gebär­den­spra­che oder Braille­schrift aus­ge­bil­det sind, und zur Schu­lung von Fach­kräf­ten sowie Mit­ar­bei­tern und Mit­ar­bei­te­rin­nen auf allen Ebe­nen des Bil­dungs­we­sens. Die­se Schu­lung schließt die Schär­fung des Bewusst­seins für Behin­de­run­gen und die Ver­wen­dung geeig­ne­ter ergän­zen­der und alter­na­ti­ver For­men, Mit­tel und For­ma­te der Kom­mu­ni­ka­ti­on sowie päd­ago­gi­sche Ver­fah­ren und Mate­ria­li­en zur Unter­stüt­zung von Men­schen mit Behin­de­run­gen ein.

(5) Die Ver­trags­staa­ten stel­len sicher, dass Men­schen mit Behin­de­run­gen ohne Dis­kri­mi­nie­rung und gleich­be­rech­tigt mit ande­ren Zugang zu all­ge­mei­ner Hoch­schul­bil­dung, Berufs­aus­bil­dung, Erwach­se­nen­bil­dung und lebens­lan­gem Ler­nen haben. Zu die­sem Zweck stel­len die Ver­trags­staa­ten sicher, dass für Men­schen mit Behin­de­run­gen ange­mes­se­ne Vor­keh­run­gen getrof­fen wer­den.

Die vor­han­de­ne Viel­falt der Orga­ni­sa­ti­ons­for­men und der Vor­ge­hens­wei­sen in der päd­ago­gi­schen För­de­rung, die Plu­ra­li­tät der För­der­or­te, die Erfah­run­gen mit gemein­sa­mem Unter­richt behin­der­ter und nicht­be­hin­der­ter Kin­der, erzie­hungs­wis­sen­schaft­li­che Denk­an­stö­ße und schul­po­li­ti­sche Schwer­punkt­set­zun­gen in den ein­zel­nen Län­dern der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land las­sen heu­te viel­fäl­ti­ge Über­ein­stim­mun­gen erken­nen; sie sind ins­ge­samt Kenn­zei­chen für eine eher per­so­nen­be­zo­ge­ne, indi­vi­dua­li­sie­ren­de und nicht mehr vor­ran­gig insti­tu­ti­ons­be­zo­ge­ne Sicht­wei­se son­der­päd­ago­gi­scher För­de­rung und inte­gra­ti­ver Bil­dung.

Zu den unbe­ding­ten Vor­aus­set­zun­gen eines inte­gra­ti­ven Bil­dungs­sys­tems für Men­schen mit Behin­de­run­gen gehört die Bereit­stel­lung fach­lich abge­si­cher­ter, bedarfs­ge­rech­ter qua­li­fi­zier­ter Unter­stüt­zung – ins­be­son­de­re das Ange­bot son­der­päd­ago­gi­scher För­de­rung. Anspruch auf son­der­päd­ago­gi­sche För­de­rung ist z. B. bei den Kin­dern und Jugend­li­chen anzu­neh­men, die in ihren Bildungs‑, Ent­wick­lungs- und Lern­mög­lich­kei­ten so beein­träch­tigt sind, dass sie im Unter­richt der all­ge­mei­nen Schu­le ohne son­der­päd­ago­gi­sche Unter­stüt­zung nicht hin­rei­chend geför­dert wer­den kön­nen.

Dabei kön­nen auch the­ra­peu­ti­sche und sozia­le Hil­fen wei­te­rer außer­schu­li­scher Maß­nah­me­trä­ger not­wen­dig sein.

Son­der­päd­ago­gi­sche För­de­rung in der inte­gra­ti­ven Bil­dung soll das Recht der behin­der­ten und von Behin­de­rung bedroh­ten Kin­der und Jugend­li­chen auf eine ihren per­sön­li­chen Mög­lich­kei­ten ent­spre­chen­de schu­li­sche Bil­dung und Erzie­hung ver­wirk­li­chen. Sie unter­stützt und beglei­tet die­se Kin­der und Jugend­li­chen durch indi­vi­du­el­le Hil­fen, um für die­se ein mög­lichst hohes Maß an schu­li­scher und beruf­li­cher Ein­glie­de­rung, gesell­schaft­li­cher Teil­ha­be und selbst­stän­di­ger Lebens­ge­stal­tung zu erlan­gen.

Son­der­päd­ago­gi­sche För­de­rung als unab­ding­ba­rer Bestand­teil inte­gra­ti­ver Bil­dung geschieht in viel­fäl­ti­gen Auf­ga­ben­fel­dern und Hand­lungs­for­men. Sie erfor­dert den Ein­satz unter­schied­li­cher Berufs­grup­pen mit ent­spre­chen­den Fach­kom­pe­ten­zen.

Son­der­päd­ago­gi­sche För­de­rung ori­en­tiert sich daher an der indi­vi­du­el­len und sozia­len Situa­ti­on des behin­der­ten oder von Behin­de­rung bedroh­ten Kin­des bzw. Jugend­li­chen (“Kind- Umfeld-Ana­ly­se”) und schließt die per­sön­lich­keits- und ent­wick­lungs­ori­en­tier­te Vor­be­rei­tung auf zukünf­ti­ge Lebens­si­tua­tio­nen ein.

Im Rah­men der inte­gra­ti­ven Bil­dung ist eine inten­si­ve ver­trau­ens­vol­le Zusam­men­ar­beit zwi­schen den Erzie­hungs­be­rech­tig­ten und der Schu­le erfor­der­lich.

Die gemein­sa­me Ver­ant­wor­tung der all­ge­mei­nen Schu­len und der För­der­schu­len für die inte­gra­ti­ve Bil­dung und son­der­päd­ago­gi­sche För­de­rung von Kin­dern und Jugend­li­chen mit Behin­de­run­gen macht vor allem eine ver­bind­li­che und qua­li­fi­zier­te Zusam­men­ar­beit der Lehr­kräf­te aller Schul­for­men unver­zicht­bar.

Die Zusam­men­ar­beit der Päd­ago­gin­nen und Päd­ago­gen und wei­te­rer Fach­kräf­te ver­langt ein gemein­sa­mes Grund­ver­ständ­nis der Auf­ga­ben und eine kla­re Zuord­nung von Kom­pe­tenz- und Ver­ant­wor­tungs­be­rei­chen für jeden Betei­lig­ten in Unter­richt und Schul­le­ben.

Kin­der und Jugend­li­che mit Behin­de­run­gen bzw. son­der­päd­ago­gi­schem För­der­be­darf sol­len im Rah­men inte­gra­ti­ver Bil­dung all­ge­mei­ne Schu­len besu­chen, wenn dort die not­wen­di­ge son­der­päd­ago­gi­sche und auch säch­li­che Unter­stüt­zung sowie die räum­li­chen Vor­aus­set­zun­gen gewähr­leis­tet sind; die För­de­rung aller Schü­le­rin­nen und Schü­ler muss sicher­ge­stellt sein.

Zu den not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen gehö­ren neben den äuße­ren Rah­men­be­din­gun­gen son­der­päd­ago­gisch qua­li­fi­zier­te Lehr­kräf­te, indi­vi­dua­li­sie­ren­de For­men der Pla­nung, Durch­füh­rung und Bewer­tung der Unter­richts­pro­zes­se und eine abge­stimm­te Zusam­men­ar­beit der betei­lig­ten Lehr­kräf­te und Fach­kräf­te. Dabei ist eine inhalt­li­che, metho­di­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Ein­be­zie­hung päd­ago­gi­scher Maß­nah­men, auch indi­vi­du­el­ler Unter­richts­zie­le und Unter­richts­in­hal­te, in die Unter­richts­vor­ha­ben für die gesam­te Schul­klas­se vor­zu­neh­men. D

ie für den Schul­be­reich gel­ten­den Rah­men­be­din­gun­gen inte­gra­ti­ver Bil­dung fin­den ihre Fort­füh­rung in Unter­stüt­zungs­an­ge­bo­ten für den Zugang zu Hoch­schul­bil­dung, zur beruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung und zur Erwach­se­nen­bil­dung.

6049c5c9f2e64ba3873fde3415246771 - Bildung

Bild­quel­len:

Sie sind derzeit offline!